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INITIATIVE/438: BUND-Aktive bewahren schon seit Jahrzehnten tatkräftig die biologische Vielfalt (BUND MAGAZIN)


BUND MAGAZIN - 3/2025
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland - BUND
Friends of the Earth Germany

BUND AKTIV
Wiederbelebt

von Severin Zillich

Ganz ohne EU-Verordnung bewahren BUND-Aktive schon seit Jahrzehnten tatkräftig die biologische Vielfalt und schützen damit das Klima. Eine kleine Auswahl.


Überall in Deutschland sichern BUND-Gruppen wertvolle Natur und sorgen mit Herzblut dafür, dass die Vielfalt überdauert und sich bestmöglich entfalten kann.

Zum Beispiel in artenreichen Lebensräumen der Kulturlandschaft. So pflegt der BUND im pfälzischen Weisenheim am Sand Streuobstwiesen sowie trockene Magerwiesen und Ackerbrachen. Neben dem Bergsandglöckchen kommen hier zahllose Wildbienen und Schmetterlinge sowie Steinkauz, Wiedehopf, Heidelerche und Steinschmätzer vor.

Das sächsische Fichtelgebirge ist geprägt von Heiden, Mooren und Bergwiesen. Im Zechengrund bei Oberwiesenthal betreut der BUND Dresden seit 2013 mehrere Hangstücke. Per Handmahd bewahrt er den Lebensraum von Rundaugen-Mohrenfalter und Ringdrossel sowie Arnika, Feuer-Lilie und Blauem Tarant. Um wertvolle Berg- und Feuchtwiesen kümmert sich auch der BUND Sonneberg in Thüringen. Am Grünen Band bei Tettau fördert er seit rund 20 Jahren den Biotopverbund entlang kleiner Wiesentälchen: mit Freischneider, Astschere und Sense sowie Schafen, Ziegen und Rindern.

MOORE UND FEUCHTGEBIETE

Viele BUND-Aktive haben Moore wiederbelebt. So kümmern sich die Ortsgruppen Hohenpeißenberg und Peiting seit mehr als 30 Jahren um die Renaturierung des Schwarzlaichmoors. Nirgends sonst in Mitteleuropa haben mehr Zwergbirken überlebt. Nicht zuletzt für dieses Eiszeitrelikt hat der BUND große Moorflächen erworben, wiedervernässt und aufgelichtet.

Seit 2022 vernässt die BUND-Gruppe "Ostufer Kummerower See" das Klenzer Quellmoor im Peenetal. Dank einem Nutzungsverzicht der Eigentümer gelang es alte Gräben zu schließen. Die Moorwiesen beherbergen neben Trollblume und Breitblättrigem Knabenkraut auch den Violetten Feuerfalter.

Auf Föhr hat der BUND Schleswig-Holstein intensiv genutztes Grünland in artenreiche Feuchtwiesen verwandelt. Zugunsten von Uferschnepfe, Austernfischer und Moorfrosch wurde der Wasser- stand angehoben und Mahdgut übertragen. Gemäht werden die extensiv beweideten Wiesen nur ein bis zwei Mal im Jahr.

Ähnlich ging der BUND Sachsen-Anhalt in der Landgraben-Dumme-Niederung vor. Mit den Landwirten vor Ort entwickelte er Strategien, um diesen Abschnitt des Grünen Bandes teils wiederzuvernässen und für Orchideen und Wollgräser, Libellen und Schmetterlinge, Kiebitze und Fischotter optimal zu nutzen. An den nassesten Stellen kommt eine Mähraupe zum Einsatz.

FLÜSSE UND AUEN

... wiederherzustellen, ist ein weiteres Ziel der EU-Verordnung. Seit dem Jahr 1990 treibt der BUND Baden-Württemberg die Renaturierung der Radolfzeller Aach voran. Er entfernte Barrieren und Uferbefestigungen im Fluss, öffnete und schuf Flussschlingen, wandelte Äcker in Auwiesen um und lässt diese nun schonend beweiden. 2700 Hektar sind damit für Rast- und Brutvögel wie Bekassine und Brachvogel entstanden.

In der Sürther Aue am Rhein rettete der BUND NRW 15 Hektar Naturschutzgebiet vor dem Ausbau eines Hafens. Er entwarf einen Managementplan und erweckte die Fläche aus dem Dornröschenschlaf. Mithilfe einer Eselherde, der Stadt Köln und vieler Ehrenamtlicher stieg die Zahl der gefährdeten Pflanzenarten in nicht einmal drei Jahren von 0 auf 27, die Zahl der Heuschrecken verfünffachte sich sogar.

In Niedersachsen schützt die BUND-Gruppe Grafschaft Bentheim seit Jahrzehnten die Vechte. Nahe der niederländischen Grenze sichert sie den Fluss und sein Tal als Refugium für selten gewordene Vögel, Fische und Amphibien - in einer Hochburg der Massentierhaltung. Der Einsatz der Gruppe mündete in ein länderübergreifendes EU-Projekt. Davon profitieren Tiere wie Kiebitz, Uferschwalbe und Fischotter.

Seit 2012 engagiert sich der BUND Hamburg in dem Projekt "Lebendige Alster". Viel ist schon passiert, um den zweitgrößten Fluss der Stadt aufzuwerten und seinen Schutz ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Derzeit arbeitet der BUND vor allem daran, die Außenalster zu einem vitalen Gewässer zu entwickeln.

IN DER STADT

Nicht zu vergessen die urbane (Rest-)Natur. Wie Oasen in der Wüste zieht das städtische Grün Erholungssuchende an. Dazu speichert es Wasser und bietet eine Zuflucht für Wildpflanzen und -tiere. Zudem sorgt jeder Baum für Schatten und Abkühlung. Gerade die Stadtbäume haben es nicht einfach: Winzige Baumscheiben, Schadstoffe und übermäßiger Kronenschnitt setzen ihnen zu. Das lässt ihre Zahl auch in Berlin schrumpfen. Wer dem nicht tatenlos zusehen will, kann sich vom Baumschutzexperten des BUND Berlin beraten lassen.

Besondere Oasen sind die vielen BUND-Gärten in Ballungsräumen. In Bremen gibt es gleich vier: den Nutzgarten auf Hof Bavendamm, einen Insektenschaugarten am Weserwehr, einen Bienengarten im Stadtteil Walle sowie - ganz neu - einen Naturgarten in Vegesack. Helfende Hände sind jederzeit willkommen!

WÄLDER FÜR WILDKATZEN

Auf den Lebensraum Wald zielt schließlich das BUND-Projekt "Wildkatzenwälder von morgen". Gleich zehn Landesverbände renaturieren beispielhaft Flächen, oft gemeinsam mit Forstämtern und Waldbesitzer*innen. Dazu bieten sie praktische Tipps und helfen bei der Umsetzung.

So etwa im europäischen Vogelschutzgebiet "Hörre". Um das Waldinnere gegen Sturmschäden und Austrocknung zu wappnen, wertet das Forstamt Wetzlar hier Waldränder und Flächen auf, wo Fichten abgestorben sind. Zudem sorgt es dafür, dass der Wald wieder strukturreicher wird. Als Leitarten dienen neben der Wildkatze die Haselmaus und der Mittelspecht. Der BUND mobilisiert dafür viele Freiwillige.

Bildunterschriften der im Schattenblick nicht veröffentlichten Abbildungen der Originalpublikation:
  • Bergwiesencamp des BUND Dresden bei Oberwiesenthal.
  • Einsatz beim Aktionstag für eine lebendige Alster.
  • Das vom BUND renaturierte Klenzer Quellmoor beherbergt den größten Bestand der Trollblume im Peenetal.
  • Artenreiche Waldränder wie hier in der hessischen Hörre sind ein Ziel des BUND-Projekts "Wildkatzenwälder von morgen".


Originalpublikation mit Bildern:
https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/bund/bundmagazin/BUNDmagazin-3-25.pdf

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Quelle:
BUND MAGAZIN 3/2025, Seite 14-15
Herausgeber:
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
Friends of the Earth Germany
Kaiserin-Augusta-Allee 5, 10553 Berlin
Tel. 030/27586-457, Fax. 030/27586-440
E-Mail: redaktion@bund.net
Internet: www.bund.net/bundmagazin
 
Das BUNDmagazin ist die Mitgliederzeitschrift
des BUND und erscheint viermal im Jahr

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 19. Dezember 2025

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