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STIMMEN/387: Zum COP 30 Start - Merz' Rede enttäuscht beim Klimaschutz (Misereor)


Bischöfliches Hilfswerk Misereor e. V. - 07.11.2025

Zum COP 30 Start: Merz' Rede enttäuscht beim Klimaschutz


Zum Auftakt der 30. UN-Klimakonferenz (COP 30) in Belém kommentiert Misereor die Rede von Bundeskanzler Merz, der heute im High Leaders Summit gesprochen hat.

Madeleine Wörner, Energie-Expertin und Beobachterin der COP 30, kritisiert, dass Kanzler Friedrich Merz falsche Signale zum Klimaschutz sendet und sich nicht von fossiler Energie distanziert:

"Merz spricht von Sicherheit, Wohlstand, Klimawandel und Wettbewerb - und scheint überzeugt, Deutschland sei auf einem guten Weg beim Klimaschutz. Statt sich zum fossilen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas zu bekennen, suggeriert er, man könne diese Emissionen langfristig und sicher speichern.

Die COP hält der Welt den Spiegel vor - und Deutschland wird darin nicht gut aussehen. Merz erkennt an, dass Deutschland eine wichtige Rolle im Klimaschutz zu spielen hat, vergisst dabei aber, dass dafür ein gemeinsames und ambitioniertes Vorangehen beim fossilen Ausstieg nötig ist. In den kommenden Wochen muss hier in den Verhandlungen mehr passieren, damit Deutschland auch nach dieser Konferenz international glaubwürdig bleibt. Dazu gehört ein klarer, finanzierter und ambitionierter Ausstiegspfad aus fossilen Energien."

Anika Schroeder, Klima-Expertin und ebenfalls vor Ort, zur angekündigten Unterstützung des Tropenwald-Fond (TFFF):

"Wir begrüßen die Beteiligung Deutschlands am neuen Tropenwald-Fond (TFFF) und seine Ankündigung, einen "namhaften Beitrag" zu leisten. Dies ist allerdings wenig wert, wenn Deutschland weiterhin nicht bereit ist, Verantwortung für die eigene Rolle bei der Zerstörung der Regenwälder einzunehmen. Wer TFFF sagt, muss auch seiner Verantwortung für die Zerstörung tropischer Wälder gerecht werden. Deutschlands Rückwärtsrolle beim Klimaschutz, die Blockaden beim EU-Lieferkettengesetz und bei entwaldungsfreien Lieferketten drohen, mögliche Erfolge des neuen Fonds zu torpedieren. Gut ausgestaltet kann dieser hingegen einen wirksamen Beitrag zum Waldschutz leisten, weil er jene belohnt, die erfolgreich Regenwälder schützen. Mit der Beteiligung am Fonds kann sich Deutschland dafür einsetzen, dass er den Menschen dient, die ihre Lebensgrundlagen - oft unter Einsatz ihres Lebens - schützen; Indigene und andere traditionelle Gemeinschaften."

Schroeder ergänzt zur Klimafinanzierung:

"Es ist erschreckend, dass der Bundeskanzler darüber hinaus die Klimafinanzierung mit keiner Silbe erwähnt hat. Der nötige internationale Vertrauensaufbau gelingt nur, wenn Industrienationen wie Deutschland glaubwürdig zu den Klimafinanzierungszusagen stehen, statt - wie aktuell - Nothilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Klimafinanzierung zu streichen. Wir erwarten im Laufe der COP mehr von der Bundesregierung."

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Quelle:
Pressemitteilung, 07.11.2025
Bischöfliches Hilfswerk Misereor e. V.
Mozartstraße 9, 52064 Aachen
Tel.: 0241 442-0, Fax: 0241 442-188
E-Mail: info(at)misereor.de
Internet: https://www.misereor.de

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 14. November 2025

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