Deutscher Wetterdienst - Pressemitteilung vom 04.12.2025
Alpenklima
Hitze im Juni und August, Nullgradgrenzen über 5.000 Meter und große Schwankungen beim Niederschlag
München / Offenbach, 4. Dezember 2024 - Das Sommerhalbjahr 2025 in den Alpen war geprägt von Hitzephasen im Juni und August, mehreren Tagen mit sehr hoch liegender Nullgradgrenze sowie sehr gegensätzlichen Niederschlagsmengen von Monat zu Monat. Dies berichten der Deutsche Wetterdienst (DWD), die GeoSphere Austria und das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz in der siebten Ausgabe ihrer gemeinsamen Publikationsreihe "Alpenklima - Klimazustand in den Zentral- und Ostalpen".
Nach einem verbreitet kühlen Mai folgte ein extrem heißer Juni. Zwischen Mitte Juli und Anfang August machte die Hitze eine Pause, ehe sie Mitte August zurückkam. Gemittelt über den Alpenraum der drei Länder war das Sommerhalbjahr um 0,7 bis 0,8 Grad Celsius (°C) wärmer als das Klimamittel 1991-2020. Sowohl in den tiefen Lagen als auch in den Hochlagen ist es das vierte Sommerhalbjahr in Folge, das im Vergleich zum vieljährigen Mittel zu warm war.
Der heiße Juni führte in den Hochalpen zu einer sehr geringen Anzahl an Frosttagen (Tage mit einer Minimaltemperatur unter 0 °C), auf der Zugspitze (D, 2.956 m ü. M.) und am Sonnblick (A, 3.109 m ü. M.) waren es 70-80 Prozent (%) weniger als im vieljährigen Durchschnitt. Im gesamten Sommerhalbjahr lag die Anzahl der Frosttage im Hochgebirge jedoch relativ nah an den Durchschnittswerten der Referenzperiode 1991-2020.
Tage mit einer Maximaltemperatur von 25 °C und mehr (Sommertage) waren im gesamten Alpenraum der drei Länder überdurchschnittlich häufig anzutreffen. Zwischen 500 und 1.000 m ü. M. gab es im Schnitt 25-30 % mehr Sommertage in den Zentralalpen als im Mittel des Referenzzeitraums 1991-2020. In Höhenlagen von 1.000 bis 1.500 m ü. M. wurden 25 Sommertage verzeichnet, fast doppelt so viele wie in einem durchschnittlichen Sommerhalbjahr.
Mit dem Klimawandel steigen die Temperaturen auch in hohen Lagen immer weiter. Dies hat zur Folge, dass die Nullgradgrenze (Höhe, in der die Temperatur unter 0°C absinkt) während der Sommermonate vermehrt über 4.000 m ü. M. und damit in den Bereich der höchsten Alpengipfel klettert. Im Sommer 1995 wurde über der Wetterstation Payerne (CH) erstmals eine Nullgradgrenze über 5.000 m ü. M. gemessen. Seit 2022 kam dies sogar jedes Jahr ein bis vier Mal vor. Die höchste Nullgradgrenze stammt vom 25. Juli 2022 mit 5.184 m. In diesem Jahr erreichte die Nullgradgrenze im Juni einen neuen Monatsrekord von 5.125 m.
Wenn die Nullgradgrenze im Sommer aufgrund des Klimawandels weiter
ansteigt, wirkt sich das auf verschiedene Bereiche aus. Dazu gehören
Wasserversorgung, Tourismus, Fauna und Flora.
In der Schweiz ist die Nullgradgrenze seit der dort gebräuchlichen
vorindustriellen Referenzperiode 1871-1900 je nach Jahreszeit, bereits
um 400 bis 500 Meter angestiegen und liegt heute im Sommer etwa auf
der Höhe des Jungfraujochs (CH 3 467 m ü. M.). Je nach Ausmaß des
Klimawandels wird die Nullgradgrenze in Zukunft weiter deutlich
ansteigen. In einer um 3 °C wärmeren Welt im Vergleich zur
vorindustriellen Referenzperiode würde die mittlere Nullgradgrenze im
Sommer die meisten Alpengipfel übersteigen.
Die Niederschlagsmengen über das gesamte Sommerhalbjahr 2025
betrachtet waren in vielen Regionen der Zentral- und Ostalpen
durchschnittlich. Mit Blick auf einzelne Monate zeigten sich jedoch
große Unterschiede, wobei Juni und Juli die auffälligsten Gegensätze
und lokal neue Rekorde hervorbrachten.
Der Juni war verbreitet niederschlagsarm, und auch die Anzahl an
Niederschlagstagen (Tage mit mindestens 1 mm Niederschlag) fiel gering
aus. An der Zugspitze gab es sogar einen neuen Negativrekord: Mit acht
Niederschlagstagen im Juni im Vergleich zu den durchschnittlich 17
waren es besonders wenige.
Im Gegensatz dazu wurden im Juli an vielen Stationen
überdurchschnittlich viele Niederschlagstage verzeichnet, in Zell am
See gab es mit 25 Tagen sogar einen neuen Rekord.
Der Alpenraum ist von den Folgen des menschlichen
Treibhausgasausstoßes stärker betroffen als andere Regionen oder
Naturräume. In dieser hochsensiblen Region sind die Auswirkungen des
Klimawandels deutlich sichtbar. Umso wichtiger sind Informationen und
Analysen zum Klima in diesem einzigartigen Ökosystem. Mit der
gemeinsamen Publikationsreihe "Alpenklima" bieten der Deutsche
Wetterdienst (DWD), die Geosphere Austria (ehemals ZAMG) und das
Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz
grenzübergreifende Informationen zum Klimazustand der Alpen. Die
Klimaentwicklung in den einzelnen Ländern wird so in einen größeren
Kontext gestellt und genau beobachtet, um diesen wertvollen Natur-,
Lebens- und Wirtschaftsraum vor den Auswirkungen des Klimawandels
besser zu schützen.
• Abbildung 1: Besonderheiten im Sommerhalbjahr 2025, ©
DWD-Geosphere Austria-MeteoSchweiz
• Abbildung 2 : Anzahl Tage pro Sommer (Juni-September, der
Zeitraum mit den meisten Nullgradgrenzen über 4000 Meter) mit
maximaler Höhe der Nullgradgrenze über 4000 (hellrot) und 5000 m ü. M.
(dunkelrot), hergeleitet aus den Radiosondierungen in Payerne (CH).
© DWD-Geosphere Austria-MeteoSchweiz
Das Bulletin "Alpenklima" ist online auf der DWD-Homepage
verfügbar.
https://www.dwd.de/DE/leistungen/alpenklima/alpenklima_bulletin.html
Meldung mit Bildern:
https://www.dwd.de/DE/presse/pressemitteilungen/DE/2025/20251204_pm_alpenklima_sh_2025_news.html;jsessionid=A4D08D6B7A7F767F0AADA6FB932D8B16.live21062?nn=16210
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Quelle:
Pressemitteilung, 04.12.2025
Deutscher Wetterdienst
Frankfurter Straße 135, 63067 Offenbach
E-Mail: info@dwd.de
Internet: www.dwd.de
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 12. Dezember 2025
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