Deutsche Stiftung Meeresschutz (DSM)
Aktuelles / Pressemitteilung - 21. Januar 2026
Temporäres Fischereiverbot in der Biskaya zum Schutz von Delfinen
Veröffentlicht am 21. Januar 2026 von Ulrike Kirsch
Zum dritten Mal in Folge ist in der französischen Biskaya ein temporäres Fischereiverbot zum Schutz von Delfinen in Kraft. Es gilt jeweils vom 22. Januar bis zum 20. Februar und wurde 2024 für eine Dauer von drei Jahren festgelegt.
Das zur Universität La Rochelle gehörende Institut Observatoire Pelagis zog eine positive Bilanz des letztjährigen Fangverbots. So konnte die Beifangrate von Delfinen im Winter 2024/25 um rund 60 Prozent reduziert werden. Waren es zwischen 2017 und 2023 durchschnittlich 4.700 Delfine, die in den Netzen starben, so ging die Todesrate auf 1.900 Delfine zurück. Grundsätzlich geben die Forschenden aber zu bedenken, dass nicht nur das Fischereiverbot, sondern auch andere Faktoren wie die Verteilung der Delfine und ihrer Beutetiere den Rückgang der Todesrate beeinflusst haben könnten.
Die französische Regierung musste nach einem Urteil des obersten Verwaltungsgerichts (Staatsrat) handeln. Daher verhängte sie ab 2024 ein mit Einschränkungen verbundenes temporäres Fischereiverbot. Es gilt allerdings nur für drei Jahre. Und es gilt nur für Fangboote ab einer Länge von 8 m. Auch Kutter, die mit akustischen Abschreckgeräten (Pingern) ausgerüstet sind oder mit Videokameras auf Fangfahrt gehen, sind ausgenommen.
Von dem Fangverbot sollen rund 300 Boote betroffen sein. Sie erhalten staatliche Unterstützung für die entgangenen Einnahmen. Dennoch ist der Unmut unter den Fischern groß.
Das Fischereiverbot zum Schutz von Gemeinen Delfinen [1] und von Schweinswalen [2] kam auf Druck französischer Umweltorganisationen und von Wissenschaftlern zustande. Die von uns unterstützten Forderungen umfassten allerdings einen Fangstopp von drei Monaten im Winter und mindestens einem Monat im Sommer.
Anfang Texteinschub
"Der Verbotszeitraum ist zu kurz, denn auch wenn der Beifang
zurückging, sind 1.900 tote Delfine in vier Monaten immer noch viel zu
viele Meeressäuger. Wir erleben die Massenstrandungen an der
französischen Atlantikküste jedes Jahr von Januar bis Ende März.
Manchmal findet man bereits im Dezember und auch noch im April tote
Delfine, die als Beifang in Fischernetzen starben", sagt Ulrich
Karlowski, Biologe der Deutschen Stiftung Meeresschutz. "Für
Frankreich ist es jedoch ein revolutionärer Schritt. Vergleichbares
haben wir in Deutschland nicht. Jetzt müssen weitere Restriktionen für
die Fischerei zum Schutz von Delfinen und anderen Kleinwalen folgen."
Ende Texteinschub
Die französische Regierung erwägt derzeit keine Weiterführung dieser Maßnahme, sondern setzt auf technische Verbesserungen, um die Meeressäugerbeifangrate zu reduzieren. Französische Umweltverbände fordern unter anderem ab 2027 ein viermonatiges Fangverbot, zudem eine Ausweitung auf Boote von unter 8 m Länge und eine Überwachung der Fänge.
Der Fischereiaufwand [3] im Golf von Biskaya ist hoch. Deshalb sterben jährlich von Dezember bis März im Golf von Biskaya mehrere Tausend Delfine und andere Kleinwale als Beifang in den Schleppnetzen [4] französischer, spanischer und portugiesischer Trawler. In den vergangenen 30 Jahren sollen es mindestens 90.000 Tiere gewesen sein.
Bereits im Mai 2020 hatte der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) von der EU-Kommission die temporäre Schließung von Fischereien [5] zum Schutz von Delfinen und anderen Kleinwalen gefordert (1).
Das Biskaya-Schelf ist eine Ökoregion im riesigen FAO-Fanggebiet 27 [6] (Nordostatlantik). Zielfischarten der Schleppnetzfischer sind vorwiegend der zu den Seehechten zählende Hechtdorsch [7] (Merluccius merluccius) und der Europäische Wolfsbarsch [8] oder Seebarsch (Dicentrarchus labrax). Letzteren findet man hierzulande als "Loup de mer" auf der Speisekarte.
Laut einer Studie französischer Wissenschaftler gingen 2018 rund 2.000 Fischereifahrzeuge im Golf von Biskaya auf Fangfahrt: (2)
Etwa 30% der Trawler fischten mit Grundschleppnetzen [10] (Einzel- und Gespannfischer), der derzeit zerstörerischsten legalen Fischereimethode.
Update: überarbeiteter und mit neuem Datum veröffentlichter Beitrag
(1) Rogan E, Read AJ, Berggren P. Empty promises: The European Union
is failing to protect dolphins and porpoises from fisheries by-catch.
Fish Fish. 2021; 22: 865-869. https://doi.org/10.1111/faf.12556
(2) Peltier Helene, Authier Matthieu, Caurant Florence, Dabin Willy,
Daniel Pierre, Dars Cecile, Demaret Fabien, Meheust Eleonore, Van
Canneyt Olivier, Spitz Jerome, Ridoux Vincent; In the Wrong Place at
the Wrong Time: Identifying Spatiotemporal Co-occurrence of Bycaught
Common Dolphins and Fisheries in the Bay of Biscay (NE Atlantic) From
2010 to 2019; Frontiers in Marine Science, Voume 8 - 2021,
https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fmars.2021.617342
Weiterführende Informationen
Keine Meereswende in Deutschland!
https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/fischerei/keine-meereswende-in-deutschland/
Gemeine Delfine
https://www.stiftung-meeresschutz.org/meerestiere/gemeiner-delfin/
Problemzone industrielle Fischerei
https://www.stiftung-meeresschutz.org/problemzone-industrielle-fischerei/
Studie Jagd auf Delfine und andere Kleinwale: über 100.000 Tiere
jährlich!
https://www.stiftung-meeresschutz.org/projektfoerderung/meeressaeuger/studie-jagd-auf-delfine-und-kleinwale/
Links:
[1] https://www.stiftung-meeresschutz.org/meerestiere/gemeiner-delfin/
[2] https://www.stiftung-meeresschutz.org/meerestiere/schweinswal/
[3] https://www.stiftung-meeresschutz.org/problemzone-industrielle-fischerei/
[4] https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/fischerei/industrielle-fischerei/
[5] https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/fischerei/keine-meereswende-in-deutschland/#h-keine-meereswende-in-der-ostsee
[6] https://www.fischbestaende-online.de/fao-fanggebiete/nordostatlantik
[7] https://www.fischlexikon.eu/fischlexikon/fische-suchen.php?fisch_id=0000000200
[8] https://www.fischlexikon.eu/fischlexikon/fische-suchen.php?fisch_id=0000000146
[9] https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/fischerei/eu-supertrawler-pluendern-britische-gewaesser/
[10] https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/fischerei/grundschleppnetze/
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Quelle:
Aktuelles / Pressemitteilung - 21. Januar 2026
Deutsche Stiftung Meeresschutz (DSM)
41460 Neuss
E-Mail: info[AT]stiftung-meeresschutz.org
Internet: https://www.stiftung-meeresschutz.org
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 30. Januar 2026
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