Bürgerinitiative Bärenstein
Keine Deponie und Aufbereitungsfabrik in der Region!
Pressemitteilung - 13. Januar 2026
Raumordnungsbehörde bestätigt massive Risiken beim Lithiumprojekt
Zinnwald
Bürgerinitiativen sehen ihre zentralen Bedenken umfassend
bestätigt
Die raumordnerische Stellungnahme der Landesdirektion Sachsen zum geplanten Lithiumprojekt Zinnwald bestätigt ein außergewöhnlich hohes Konfliktpotenzial in nahezu allen zentralen Schutzgütern. Betroffen sind insbesondere Wasser, Hochwasser, Natur, Tourismus, Welterbe, Kulturlandschaft, Verkehr sowie die langfristige Regionalentwicklung.
Die Behörde stellt klar, dass das Vorhaben nur unter sehr strengen, bislang nicht erfüllten Voraussetzungen überhaupt genehmigungsfähig wäre. Zahlreiche Aspekte werden ausdrücklich als fehlerhaft, unvollständig oder nicht ausreichend untersucht bewertet.
Die Raumordnungsbehörde kritisiert, dass das Projekt nicht auf einer vorausschauenden Gesamtplanung beruht. Weitere Projektphasen mit höherem Wasserbedarf, zusätzlichen Emissionen und größerem Flächenverbrauch sollen erst nachträglich genehmigt werden. Dies widerspricht ausdrücklich den Grundsätzen der Raumordnung. Nachträgliche Erweiterungen von Depot, Flächen- und Ressourcenbedarf sind zu vermeiden.
Besonders schwer wiegen die Feststellungen zum Wasserhaushalt. Zusätzliche Entnahmen aus Grund- und Oberflächenwasser bergen erhebliche Risiken für Landschaftswasserhaushalt und Gewässerökologie, insbesondere in Trockenperioden. Eine Wasserentnahme aus den Einzugsgebieten der Trinkwassertalsperren Gottleuba und Altenberg sowie aus den vorgesehenen Überleitungsgebieten wird ausgeschlossen.
Die Landesdirektion weist darauf hin, dass die in den Vorhabensunterlagen genannten Wasserquellen nicht in dem angegebenen Umfang zur Verfügung stehen. Gleichzeitig bestehen erhebliche Unsicherheiten zur Mobilisierung und Ausbreitung von Schadstoffen im Grundwasser nach dem späteren Wiederanstieg.
Naturnahe Quellbereiche und Fließgewässer, insbesondere der Trebnitzbach, müssen vollständig von Bebauung freigehalten werden. Ein Mindestwasserabfluss ist zwingend einzuhalten, um eine Verschlechterung des ökologischen Zustands zu verhindern.
Für das gesamte Projekt ist ein unabhängiges hydrologisches Gutachten vorgeschrieben. Zulassungsentscheidungen dürfen ausschließlich auf Lösungen beruhen, die erhebliche Beeinträchtigungen des Landschaftswasserhaushalts sicher ausschließen.
Aufgrund der Lage im Hochwasserentstehungsgebiet Geising-Altenberg fordert die Landesdirektion umfassende Vorsorge, damit eine Erhöhung der Hochwassergefährdung ausgeschlossen wird - auch bei Extremereignissen. Die Standsicherheit des geplanten Depots sowie mögliche Auswirkungen auf das Hochwasserrückhaltebecken Lauenstein werden kritisch bewertet.
Zudem warnt die Behörde vor möglichen Bergschäden in den Ortschaften Zinnwald-Georgenfeld, Geising und Liebenau mit potenziellen Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung.
Die Landesdirektion stellt klar, dass die Funktion der Urlaubsregion Altenberg als umwelt- und naturbezogener Freizeit- und Erholungsraum nicht beeinträchtigt werden darf. Beeinträchtigungen, die den Kurortstatus gefährden oder zu Imageschäden und sinkenden Gästezahlen führen könnten, sind zu vermeiden.
Kurzfristiger Rohstoffabbau darf nicht die langfristigen wirtschaftlichen Standbeine in Tourismus und Gesundheitswirtschaft gefährden. Solange Abbaumethode und belastbare Gutachten fehlen, ist von einem hohen Konfliktpotenzial auszugehen.
Für die Bergbaulandschaft Altenberg-Zinnwald wird ein hohes Konfliktpotenzial festgestellt. Risiken bestehen für die Standsicherheit historischer Anlagen, für das Besucherbergwerk sowie für das Welterbeobjekt Aschergraben einschließlich seiner Quell- und Moorbereiche.
Eine Gefährdung des Welterbes ist auszuschließen. Deshalb fordert die Landesdirektion zwingend eine Erbe-Verträglichkeitsprüfung mit Sichtfeldanalysen und Visualisierungen.
Der Aufbereitungsstandort rückt unmittelbar an das historische Waldhufendorf Liebenau heran. Die Dimensionen von Aufbereitungsanlage und Depot stehen nicht im Einklang mit dem historischen Siedlungsgefüge und können gesundheitliche Belange der Bevölkerung beeinträchtigen. Eine deutliche Reduzierung der Depotfläche wird gefordert.
Zusätzlich wird die dauerhafte Umnutzung landwirtschaftlicher Flächen kritisch gesehen.
Der Standort verursacht ein erhebliches Verkehrsaufkommen. Der fehlende Bahnanschluss wird als klarer Nachteil bewertet. Verkehrsstörungen könnten zusätzliche Belastungen in den Ortslagen verursachen.
Für Liebenau werden erhebliche nächtliche Lärmbelastungen nicht ausgeschlossen. Die bisherigen Prognosen basieren auf Daten der Messstation Dresden-Klotzsche und gelten als unsicher. Auch Staubimmissionen und mögliche Beeinträchtigungen des Solarparks Waltersdorf werden ausdrücklich benannt.
Das Vorhaben hat erhebliche Auswirkungen auf Pflanzen, Tiere und biologische Vielfalt. Moore, Nassstandorte und NATURA-2000-Gebiete sind besonders gefährdet. Das Naturschutzgroßprojekt "Bergwiesen im Osterzgebirge" ist ausdrücklich zu berücksichtigen.
Trotz der grenzüberschreitenden Lagerstätte Zinnwald/Cínovec fehlt bislang eine abgestimmte Planung mit Tschechien. Parallele Infrastrukturen widersprechen dem Ressourcenschutz. Die Landesdirektion fordert eine kooperative, grenzüberschreitende Gesamtplanung und die Vermeidung kumulativer Umweltauswirkungen.
Die raumordnerische Stellungnahme bestätigt in außergewöhnlicher Deutlichkeit die vielfältigen und schwerwiegenden Risiken des Lithiumprojektes. Wasser, Hochwasser, Trinkwasserversorgung, Welterbe, Tourismus, Natur, Landschaft und Lebensqualität stehen in einem bislang nicht auflösbaren Spannungsverhältnis zu den Projektplänen.
Wir Bürgerinitiativen sehen uns in unserer Haltung klar bestätigt: Das Lithiumprojekt Zinnwald ist kein zukunftsfähiges Vorhaben für diese Region. Es ist nur unter extrem strengen, bislang nicht erfüllten Voraussetzungen überhaupt genehmigungsfähig.
Wir fordern daher, die weiteren Planungen transparent, ergebnisoffen
und unter konsequenter Beachtung aller raumordnerischen Maßgaben
fortzuführen - und insbesondere den Schutz von Trinkwasser,
Hochwassersicherheit, Welterbe, Natur und Tourismus nicht
wirtschaftlichen Interessen unterzuordnen.
weitere Informationen:
Grenzzollanlage Zinnwald muss rekultiviert werden!
https://osterzgebirge.org/de/2025/12/12/grenzzollanlage-zinnwald-muss-rekultiviert-werden/
Raumverträglichkeitsprüfung stellt Zinnwald Lithium vor hohe Hürden
https://osterzgebirge.org/de/2026/01/14/raumvertraeglichkeitspruefung-stellt-zinnwald-lithium-vor-hohe-huerden/
Neues von der Lithiumfront - was seit Dezember geschah
https://osterzgebirge.org/de/2026/01/26/neues-von-der-lithiumfront-was-seit-dezember-geschah/
Ergebnis der Raumverträglichkeitsprüfung, Landesdirektion Sachsen
https://www.lds.sachsen.de/bekanntmachung/anlagen/?ID=23344
Schreiben der Bürgerinitiativen und der Grünen Liga Osterzgebirge an
die EU:
https://osterzgebirge.org/wp-content/uploads/2026/01/CRMA-Schreiben-2026.pdf
"Plausibilitäts-Check" der Bürgerinitiativen zur Pre-Feasibility
Study
https://osterzgebirge.org/wp-content/uploads/2025/04/Vormachbarkeitsstudie-Zinnwald-Lithium-Plausibilitaets-Check.pdf
Stellungnahme der Grünen Liga Osterzgebirge zur
Raumverträglichkeitsprüfung
https://osterzgebirge.org/wp-content/uploads/2025/08/Stellungnahme-Gruene-Liga-Osterzgebirge-Raumvertraeglichkeitspruefung-Zinnwald-Lithium.pdf
Artikel zur Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfung
https://osterzgebirge.org/de/2025/11/22/ki-oder-keine-ahnung
Grünes Blätt'l 02/2026 - Veröffentlicht: 27. Januar 2026
https://osterzgebirge.org/de/2026/01/29/gruenes-blaettl-02-2026/
https://osterzgebirge.org/?sdm_process_download=1&download_id=22550
URL der Pressemitteilung:
https://baerenstein.org/lithiumprojekt-zinnwald-raumordnung-kritik/
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Quell:
Gemeinsame Pressemitteilung, 13. Januar 2026
Bürgerinitiative Bärenstein
Markt 1, Stadtteil Bärenstein - 01773 Altenberg
Internet: https://baerenstein.org
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 30. Januar 2026
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