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VÖGEL/1231: Scheuer Alpenbewohner im Tarnkleid - Das Steinhuhn (Naturschutz heute)


NATURSCHUTZ heute - Winter 2025
Mitgliedermagazin des NABU (Naturschutzbund Deutschland) e.V.

Scheuer Alpenbewohner im Tarnkleid

von Nicole Flöper

Hoch oben, zwischen senkrechten Felswänden und windgepeitschten Bergmatten, wohnt ein Vogel, den man kaum sieht: das Steinhuhn, ein Verwandter des Rebhuhns.


Wegen seiner heimlichen Lebensweise im alpinen, felsdurchsetzten Gelände der Bayerischen Alpen gilt das Steinhuhn als eine der am schwierigsten zu beobachtenden Vogelarten Deutschlands. Es nutzt Steilhänge und Geröllzonen - Gebiete, in denen menschliches Eindringen oft schwierig ist. "Genau diese Lebensräume machen es schwer, präzise Bestandszahlen zu erheben", erläutert Felix Steinmeyer, Gebietsbetreuer der Allgäuer Hochalpen des Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV), NABU-Partner in Bayern. Zugleich ist das Steinhuhn bundesweit eine der seltensten Brutvogelarten: Nach neuesten Veröffentlichungen geht man von ein bis zehn Revieren aus.

Möglicher Klimagewinner

Am nördlichen Rand seiner natürlichen Verbreitung unterliegt der Bestand seit jeher starken klimatisch bedingten Schwankungen, sodass die Vorkommen in den nördlichen Kalkalpen zeitweise komplett erloschen. Auch in Deutschland galt die Art zwischenzeitlich als ausgestorben. Schon kleinste Veränderungen der Lebensräume können sich bedrohlich auswirken.

Das Steinhuhn ist bundesweit eine der seltensten
Brutvogelarten.


Als wärmeliebende Art ist das Steinhuhn allerdings möglicherweise zu den "Klimagewinnlern" zu rechnen. Insbesondere im Allgäu mehren sich die Beobachtungen. "Es gibt zuletzt wieder regelmäßiger Sichtungen - auch aus Bereichen, in denen bislang kein Vorkommen bekannt war", so Steinmeyer. Das mit dem Rebhuhn verwandte Tier ist ein Spezialist für felsige Höhenlagen: In der Alpenregion hält es sich typischerweise an sonnigen, trockenen Berghängen auf - etwa an felsigen, kurzrasigen Hängen, Geröllschluchten oder Felsbändern mit geringem Bewuchs. Es fühlt sich in Höhen zwischen etwa 700 und 2.700 Metern wohl, je nach Standort. Das Areal des Steinhuhns ist auf Europa beschränkt und erstreckt sich von den Westalpen bis Bulgarien und von den Nordalpen bis Süditalien und Südgriechenland.

Flinker Läufer

Außerhalb der Brutzeit ist das Huhn oft in kleinen Gruppen unterwegs, es huscht flink durch das Geröll, denn wenn Gefahr droht, flieht es lieber laufend in Felsspalten als laut auffliegend. Zur Nahrung zählen vor allem Pflanzenteile: Samen, Knospen, Beeren - und in der Jugend auch Insekten. Die Weibchen legen eine Bodenmulde als Nest und brüten dort neun bis vierzehn Eier aus. Das Steinhuhn ist meist monogam, Paarbindungen können über eine Saison oder länger bestehen.

Eine bemerkenswerte Eigenschaft: Das Huhn ist im steinigen Gelände hervorragend getarnt. Das Gefieder ist an der Oberseite und Brust blaugrau, die Kehle ist weiß mit schwarzem Kehl- und Stirnband, die Federn der Flanken sind gelbrotbraun und schwarz gebändert, an der Unterseite rostgelb, die Flügel sind schwarzbraun, die äußeren Steuerfedern rostrot; das Auge ist rotbraun, der Schnabel rot, der Fuß blassrot gefärbt.

Spezifische Monitoring-Programme für das Steinhuhn in Deutschland gibt es aktuell nicht, der LBV plant jedoch die Umsetzung einer Erfassung mittels Audiorekordern. "Da potenziell geeignete Lebensräume gut anhand von Geländekarten und des Luftbildes eingegrenzt werden können, sind Rekorder eine effektive Möglichkeit, den weittragenden Gesang der Männchen zu erfassen, ohne selbst eine Störung darzustellen", sagt Steinmeyer. Genauere Kenntnisse über den Bestand und die Verbreitung der Art sind eine Grundvoraussetzung für die Umsetzung gezielter Schutzmaßnahmen.


NATURSCHUTZ heute - Winter 2025
https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/nh/nh425.pdf

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Quelle:
Naturschutz heute - Winter 2025, Seite 11
https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/nh/nh425.pdf
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"Naturschutz heute" ist das Mitgliedermagazin
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veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 30. Januar 2026

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