Es hat sich eingebürgert, im Schach ein dynamisches Spiel zu sehen. Was aber bedeutet dieser ominöse Begriff, wenn die Züge auf dem Brett statisch sind und die Stellungen stillstehen? Dynamik, verstanden als eine Kraft, die ruht und nicht ausgeübt wird, aber in Zukunft zum Ausbruch kommen könnte, meint so etwas wie Fähigkeit bzw. Möglichkeit, schlicht ein Potential, das verborgen im Dunkel zwischen den Figuren seiner Entdeckung harrt und vor allem in unausgewogenen Positionen latent vorhanden ist. Und wer wollte nicht ein dynamischer Spieler sein und kein langweiliger Steineverrücker. Gibt es dynamische Eröffnungen und ruhige Varianten ohne Funken? Wenn der Begriff Dynamik nur nicht so sperrig wäre! So aber findet sich der Spieler mitten in einem Wald voller Eventualitäten wieder, von denen er nicht weiß, wohin sie führen. Daher bleibt die Dynamik unterm Strich ein Versprechen, dass sich mit den Gedanken auch unser Verstand bewegen möge. Im heutigen Rätsel der Sphinx zwischen Giovanna Arbunic und Elena Fatalibekowa stand Schwarz total auf Verlust. Die Chilenin hätte leicht mit 56.Lh2-g3 Kb7-a7 57.Kd5-c6 Ka7-a6 58.Lg3-b8 oder 56...Kb7-a6 57.Kd5-c6 Ka6-a7 58.Kc6-c7 Ka7-a6 59.Kc7-b8 den Sieg nach Hause bringen können, was nicht geschah. Stattdessen spielte sie 56.Kd5-d6??, worauf ihre Kontrahentin sich sehenswert ins Remis rettete, Wanderer.
Arbunic - Fatalibekowa
Bad Kissingen 1982
Auflösung des letzten Sphinx-Rätsels:
Kopylow haderte mit seinem Verstand, denn nach 1...Td8-d3!! ließ sich das Matt nicht mehr verhindern. Es drohten 2...Td3-c3# und 2...Sb5xa3#, und auf seinen letzten Zug 2.Sf4xd3 folgte 2...Lf5-e6#.
28. November 2025
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