AbL - Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft
Gemeinsame Presseerklärung vom 14. Januar 2026
"Nicht nur ackern, auch entscheiden!"
Verbändebündnis veröffentlicht Erklärung zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft 2026
Anlässlich des Internationalen Jahres der Frauen in der Landwirtschaft 2026 hat sich ein breites Bündnis von Verbänden aus Landwirtschaft und Ländlichem Raum zusammengeschlossen und eine gemeinsame Erklärung [*] veröffentlicht. Das Bündnis fordert die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in ihrer ganzen Vielfalt in allen Bereichen der Landwirtschaft.
Frauen sind zentral für die Zukunft der Landwirtschaft, als Betriebsleiterinnen, mithelfende Familienangehörige, Arbeitnehmerinnen, Saisonarbeiterinnen, Hausfrauen, Mütter, Pflegende oder Ehrenamtliche. Obwohl sie in vielen Betrieben an strategischen Entscheidungen beteiligt sind und elementare Aufgaben übernehmen bleiben ihre Leistungen häufig unsichtbar und rechtlich ungleich anerkannt. Fast 90 % der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland werden derzeit von Männern geführt, und die rechtliche Beteiligung von Frauen an Betrieben ist längst nicht selbstverständlich.
"Frauen leisten tagtäglich unverzichtbare Arbeit in der Landwirtschaft, doch ihre Beiträge werden häufig nicht angemessen anerkannt - weder ideell noch monetär", so das Verbändebündnis. "Die Leistungen aller Frauen müssen gesehen, gewürdigt und rechtlich anerkannt werden. Dafür setzen wir mit dieser Erklärung zum Auftakt des internationalen Jahres der Frauen in der Landwirtschaft verbandsübergreifend ein Zeichen."
Das Bündnis hat in seiner Erklärung acht Handlungsfelder definiert mit dem Appell an Politik, Zivilgesellschaft und Verbände, in diesen Bereichen aktiv zu werden. "Mit dieser Erklärung laden wir zur Diskussion ein und freuen uns, das Jahr gemeinsam mit vielen Akteurinnen und Akteuren zu nutzen, um die Situation von Frauen wirkungsvoll und nachhaltig in der Landwirtschaft zu verbessern."
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Wir sind überzeugt: Geschlechtergerechtigkeit, Chancengleichheit und Selbstbestimmung sind unverhandelbare Grundrechte. Frauen sind zentral für die Zukunft der Landwirtschaft, als Betriebsleiterinnen, mithelfende Familienangehörige, Arbeitnehmerinnen, Saisonarbeiterinnen, Hausfrauen, Mütter, Pflegende oder Ehrenamtliche.
Obwohl Frauen in vielen Betrieben an strategischen Entscheidungen beteiligt sind und elementare Aufgaben übernehmen, von Buchhaltung bis zu vielfältiger Hofarbeit, bleiben ihre Leistungen häufig unsichtbar und rechtlich ungleich anerkannt. Fast 90 % der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland werden derzeit von Männern geführt, und die rechtliche Beteiligung von Frauen an Betrieben ist noch längst nicht selbstverständlich. Die Studie "Frauen.Leben.Landwirtschaft." [1] gibt einen umfassenden Einblick in die Situation.
Selbstbestimmung und Anerkennung hängen nicht nur von individuellen Entscheidungen ab, sondern vor allem von den gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen, die Chancen eröffnen oder einschränken. Angesichts weltweiter Rückschritte bei Selbstbestimmung und Gleichberechtigung ist Solidarität wichtiger denn je. Mit dieser Erklärung setzen wir ein klares Zeichen für den Schutz und die Stärkung aller Frauen in ihrer Vielfalt. Zu dieser Vielfalt gehören für uns selbstverständlich auch trans und genderqueere Menschen, da sie oft dieselben Diskriminierungen erfahren. Im Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft [2] werden wir daher verbandsübergreifend zur gleichberechtigten Teilhabe in der Landwirtschaft beitragen. Wir laden zur Diskussion ein und betonen: die Leistungen aller Frauen müssen gesehen, gewürdigt und rechtlich anerkannt werden.
1. Frauen als Eigentümerinnen und Betriebsleiterinnen fördern
Gleichberechtigter Zugang zu Eigentum und Leitungspositionen ist eine
zentrale Gleichstellungsfrage. Zugangsbarrieren müssen beseitigt und Frauen
unterstütz werden, Betriebe zu übernehmen und Führungsverantwortung zu
tragen - ohne dass dies in Konkurrenz zu persönlichen Lebensentscheidungen
steht.
2. Soziale Absicherung garantieren
Die soziale Absicherung von Frauen in der Landwirtschaft ist häufig
unzureichend. Um die Leistungen von Frauen anzuerkennen, müssen die Sozial-
und Rentensysteme geschlechtergerecht umgebaut werden.
3. Care-Arbeit anerkennen und gerecht umverteilen
Frauen tragen einen weitaus größeren Anteil der Care Arbeit auf dem Hof und
für die Familie. Gerade in der Landwirtschaft ist diese Arbeit für den
Betrieb essenziell und muss monetär sowie ideell anerkannt und gerechter
verteilt werden.
4. Lohngerechtigkeit verankern
Lohngerechtigkeit bedeutet: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit - unabhängig
von Geschlecht oder Herkunft. Damit landwirtschaftliche Betriebe nachhaltig
wirtschaften können, sind auskömmliche Erzeuger*innenpreise zwingend
notwendig. Tarifverträge helfen, transparente und faire Lohnstrukturen
sicherzustellen.
5. Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen gewährleisten
Für Frauen in der Landwirtschaft bestehen besondere Gesundheitsrisiken,
insbesondere während der Schwangerschaft oder der Stillzeit. Es braucht
mehr Maßnahmen für den Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie Schutz vor
Gewalt und Diskriminierung - mit Fokus auf gefährdete Gruppen.
6. Politische Teilhabe und Repräsentation stärken
Trotz ihres zentralen Beitrags zur Landwirtschaft sind Frauen in
politischen Entscheidungsprozessen, Gremien und der öffentlichen
Wahrnehmung oft unterrepräsentiert. Es müssen strukturelle Mechanismen
verankert werden, welche die Mitgestaltungsmöglichkeiten von Frauen
sicherstellen.
7. Bildung, Forschung und Beratung geschlechtergerecht
gestalten
Geschlechtergerechtigkeit muss in Aus- und Weiterbildung sowie
Agrarforschung verankert und umgesetzt werden. Der Ausbau und die
Verstetigung von Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die speziell Frauen
unterstützen, sind unabdingbar. Ebenso die Etablierung einer
geschlechterinklusiven Agrarstatistik.
8. Daseinsfürsorge in ländlichen Räumen sichern
Frauen leisten einen essenziellen Beitrag für offene, vielfältige und
attraktive ländliche Räume sowie die regionalen Wertschöpfungsketten und
sind auf ausreichende ländliche Infrastruktur angewiesen. Finanzielle
Mittel zur Entwicklung des ländlichen Raums, z.B. in der GAP, und zur
Stärkung der Demokratie müssen gesichert und ausgebaut werden.
Quellenangaben
[1] Pieper, J.L. et al. (2023). Die Lebens- und Arbeitssituation von Frauen
auf landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland - soziologische Befunde.
Georg-AugustUniversität Göttingen, 2023. Forschungsbericht.
doi: 10.47952/gro-publ-125;
Davier, Z. et al. (2023): Frauen auf landwirtschaftlichen Betrieben in
Deutschland - Leben und Arbeit, Herausforderungen und Wünsche
Befragungsergebnisse von über 7.000 Frauen. Thünen Working Paper 207. März
2023, thuenen.de.
https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn065997.pdf
[2] Food and Agriculture Organization oft he United Nations (FAO) (2025).
International Year of the Woman Farmer,
https://www.fao.org/woman-farmer-2026
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[*] Die Erklärung steht unter folgendem Link zum Download
bereit:
https://www.abl-ev.de/fileadmin/Dokumente/AbL_ev/Agrarpolitik/Verb%C3%A4ndepapier_UN_Jahr_Nicht_nur_ackern__auch_entscheiden.pdf
*
Quelle:
Gemeinsame Presseerklärung vom 14. Januar 2026
AbL - Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft
Bahnhofstraße 31, 590067 Hamm
Telefon: 02381/49 22 20, Fax: 02381/49 22 21
E-Mail: info@abl-ev.de
Internet: www.abl-ev.de
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 16. Januar 2026
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