poonal - Pressedienst lateinamerikanischer Nachrichtenagenturen
Bolivien
Straßenblockaden und wirtschaftliche Einbußen
Der bolivianische Gewerkschaftsdachverband COB fordert mit Straßenblockaden die Rücknahme eines Dekrets, das Subventionen für Treibstoff aufgehoben hat.
(La Paz, 11. Januar 2026, bolpress [1] / anred [2]) - Der bolivianische Gewerkschaftsdachverband COB (Central Obrera Boliviana) hat die seit Tagen anhaltenden Straßenblockaden in Bolivien am 11. Januar ausgeweitet. Die Gewerkschaft fordert von der Regierung die Rücknahme eines Dekrets, das Subventionen für Treibstoff aufgehoben hat, wodurch die Kraftstoffpreise um 160 Prozent angestiegen sind. An den über 70 Straßenblockaden beteiligen sich auch soziale Organisationen, Arbeitnehmerverbände und studentische Gruppen, nachdem der Dialog zwischen der Gewerkschaft und der Regierung unter Rodrigo Paz abgebrochen wurde. Die Aktion gegen das Dekret 5503, das neben der Abschaffung von Subventionen auf Kraftstoff auch Strukturanpassungsmaßnahmen vorsieht, um Investor*innen anzulocken, hat die Hauptroute des Landes unterbrochen und die Departments La Paz und Cochabamba praktisch von der Versorgung abgeschnitten.
Laut der bolivianischen Straßenbehörde befindet sich die Mehrzahl der Straßenblockaden im Westen des Landes, 30 in La Paz und über 20 in Cochabamba. Blockaden gibt es darüber hinaus auch in Oruro, Santa Cruz und Beni.
Da die touristische Stadt Uyuni ebenfalls abgeschnitten ist, hat die Regierung zwei Flugzeuge der Luftwaffe geschickt, um 135 ausländische Tourist*innen zu evakuieren. Tourismusministerin Cinthia Yáñez warnte, das Land gelte jetzt als "unsicher", der Sektor habe tägliche Verluste von umgerechnet rund 480.000 Euro.
Der Gewerkschaftsdachverband COB zeigte sich gegenüber der Regierung unnachgiebig. Die COB fordert die sofortige Außerkraftsetzung der Dekrete 5503 (Kraftstoffe), 5509 (Satellitennetz) und 5515 [3], das es dem Präsidenten ermöglichen soll, auch zu regieren, während er sich im Ausland befindet.
Während die Regierung weiterhin zum Dialog aufruft, betonten die Gewerkschaftsführer, nicht aufzugeben, bis die Gesetzesänderungen fallen gelassen werden. Sie fordern zudem den Rücktritt des Arbeitsministers Edgar Morales.
Während Gesundheitsministerin Marcela Flores von einer kritischen Situation auf den Straßen spricht, schätzt der Verband der Privatunternehmen von Cochabamba die Einkommenseinbußen auf elf Millionen Euro täglich allein in Cochabamba. Für Verwirrung sorgte zudem die Nachricht von der Ermordung 4 des Wahlkampfleiters von Präsident Paz, Mauricio Aramayo, in Tarija.
Anmerkungen:
[1] https://bolpress.com/2026/01/11/bloqueos-se-radicalizan-con-cerca-de-70-puntos-gobierno-evacua-turistas-via-aerea/
[2] https://www.anred.org/bloqueos-masivos-y-tension-en-bolivia-contra-un-decreto-del-gobierno/
[3] https://www.elalteno.com.bo/bolivia/20260101/decreto-5515-autoriza-al-presidente-gobernar-desde-el-exterior-mediante-medios
[4] https://www.infobae.com/america/america-latina/2026/01/09/bolivia-encapuchados-asesinaron-a-mauricio-aramayo-colaborador-del-presidente-rodrigo-paz/
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veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 16. Januar 2026
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