IPPNW Pressemitteilung vom 26. Januar 2026
Deutsche Sektion der Internationalen Ärzt*innen für die Verhütung des
Atomkrieges/Ärzt*innen in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW)
Eskalation in Nord- und Ostsyrien
Die Lage bedroht Menschenleben, Frieden und Stabilität in der gesamten Region
Die Friedensorganisation IPPNW begrüßt die Verlängerung des Waffenstillstands in Nord- und Ostsyrien. Sie ist aber weiterhin in großer Sorge um die Zivilbevölkerung in den kurdischen Autonomiegebieten. Die Menschen sind Angriffen durch islamistische Milizen der HTS (Hayat Tahrir Al-Sham), politischer Isolation und humanitärer Not ausgesetzt. Die IPPNW fordert die Bundesregierung auf, sich gegenüber der syrischen Übergangsregierung und der Türkei dafür einzusetzen, die Angriffe und Vertreibungen zu beenden, den Schutz der Zivilbevölkerung sicherzustellen und eine weitere Destabilisierung zu verhindern. Abschiebungen nach Syrien und Waffenlieferungen in die Region müssen gestoppt werden.
Laut einem dramatischen Appell der Bürgermeister von Kobanê Emîna Wêso und Fewaz Ehmed vom letzten Samstag wurden die Trinkwasserversorgung und die Elektrizität durch die Regierungstruppen und regierungsnahe Milizen wie HTS unterbrochen. Etwa 500.000 Menschen hätten keinen Zugang mehr. Die Stadt sei vollständig umzingelt. Kinder, ältere Menschen, Menschen mit besonderen Bedürfnissen, Menschen mit Behinderungen sowie Menschen mit chronischen Krankheiten würden sich in einer äußerst schwierigen Lage befinden, da es in der Stadt nicht ausreichend Medikamente und medizinische Versorgung gebe.
Die kurdische Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien steht seit Jahren für den Versuch, unter extremen Bedingungen ein Modell des friedlichen Zusammenlebens zu etablieren - geprägt von Basisdemokratie, Gleichberechtigung der Geschlechter, religiöser und ethnischer Vielfalt, ökologischem Verständnis sowie lokaler Selbstverwaltung. Diese Errungenschaften sind aktuell massiv bedroht. Insbesondere die Befreiung von tausenden islamistischen Gefangenen bedeutet eine große Gefahr, nicht nur vor Ort. Es gibt bereits Berichte über Entführungen und Enthauptungen, wie sie aus der Zeit des Kampfes gegen den IS ("Islamischer Staat") 2014 bekannt wurden.
Durch die militärische Eskalation der syrischen Armee und anderen islamistischen Verbänden sowie der Beteiligung der Türkei sind nicht nur die Gebiete der Selbstverwaltung bedroht, sondern auch die Sicherheit in der gesamten Region.
"In dem Gebiet haben sich hunderttausende Menschen vor den islamistischen Milizen in Sicherheit gebracht. Sie leben in großen Lagern und werden von der Bevölkerung notdürftig versorgt. Ihnen drohen jetzt erneut Terror und Tod. In dieser unklaren gewalttätigen Situation dürfen keine syrischen Geflüchteten zur Rückkehr gezwungen, geschweige denn abgeschoben werden. Frieden in Syrien ist ohne Sicherheit und Perspektiven für die Menschen in den kurdischen Autonomiegebieten nicht denkbar", erklärt IPPNW-Mitglied Gisela Penteker.
Der Arbeitskreis "Menschenrechte Türkei" der IPPNW steht seit vielen Jahren im engen Austausch mit kurdischen Menschenrechtler*innen und organisiert regelmäßige Begegnungsreisen, bei denen Themen wie der Umgang mit psychosozialen Traumata, Repression und Gewalt sowie Frauen- und Kinderrechten, Umweltfragen oder der Umgang mit Flüchtlingen auf der Tagesordnung stehen. Vom 14. bis 28. März 2026 wird auch in diesem Jahr eine Gruppe von IPPNW-Mitgliedern, Menschenrechtler*innen und Friedensaktivist*innen die kurdischen Gebiete im Südosten der Türkei besuchen.
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Quelle:
Pressemitteilung vom 26. Januar 2027
Deutsche Sektion der Internationalen Ärzt*innen für die Verhütung des
Atomkrieges/Ärzt*innen in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW)
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Telefon: 030 / 698 07 40, Fax: 030 / 693 81 66
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Internet: www.ippnw.de
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 30. Januar 2026
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